Hi 'Parasite Eve'.
Ich finde die Entwicklung sehr zweischneidig. Zum einen kann ich es nur begrüßen, wenn Räume geschaffen werden, die eigene Initiative, Kreativität, Einsatz etc. fordern und damit fördern. Zum anderen lauert dahinter natürlich auch die Gefahr eines gewissen Sozialdarwinismus und das ist natürlich alles andere als produktiv.
Ich denke, es muss sowohl die Fähigkeit, eigene Impulse wahrzunehmen, ggf. aufzugreifen und in kreatives Handeln umzusetzen genährt werden, als aber auch die Fähigkeit, sich in eine Gemeinschaft (ob real oder abstrakt) zu integrieren.
Und beides fängt natürlich schon in ganz jungen Jahren an und ich meine, irgendwelche Wettbewerbe mögen da auch eine ganz nette Idee sein, sind jedoch, wenn man von den Möglichkeiten ausgeht doch eher kontraproduktiv, oder? Ich z.B. finde die Ansätze nichtdirektiver Pädagogik absolut faszinierend und es ist echt krass, mich selbst dabei zu beobachten, wie ich immer wieder meinem Sohn meine Wahrnehmung, meine Impulse und Vorstellungen überziehen möchte (ich meine hier natürlich nicht das Grenzen Setzen - das ist ein ganz anderer Schuh). Und vielen der Kiddies, die ihre Tage vor der Glotze verbringen oder mit Spielzeug, das keine Variationen zulässt, neben dem drücken des roten Knoptes, woraufhin dann ein 'Tröööt' erschallt und irgendein Fisch mit den Flossen wackelt, fehlt einfach jegliche Wahrnehmung für eigene Impulse. Und wenn sie sie wahrnehmen, dann haben sie selbst keine Wahl mehr, sonden müssen ihnen oder können ihnen nicht nachgehen.
Und was die Integration angeht, ja, wer identifiziert sich denn noch mit einer gesellschaftlichen Gruppe? Dorfgemeinschaften, Hausgemeinschaften gibt's kaum noch, nationale Identität zumindest bei uns mal garnicht (was wohl keiner hier vermisst), Europa? Die Familien brechen auseinander. Was bleibt da übrig? Der Sportverein und das Team auf der Arbeit. Ich meine, dass unsere ganze Gesellschaft daran krankt, dass wir uns nichtmehr eingebunden fühlen und ... ja, letztlich die Welt der Menschen oder auch in das Netz des Lebens auf unserem Planeten. Ich höre gerade in meinem Studium (eben Soz.Päd.) immer wieder von Projekten und Methoden, wo man versucht, Jugendliche mit schwierigem Verhalten mit irgendwelchen Brotkrumen zu einem 'positivem' Verhalten zu locken (quasi Zuckerbrot ohne Peitsche). Und - sicher, es mag ganz sinnig sein, hier mit einer List, neue Verhaltensweisen aus den Mitmenschen rauszulocken. Letztlich denke ich jedoch, dass es schlicht daran fehlt, Räume zu schaffen, in denen die Jugendlichen Integration erfahren, erleben können. Einfach so sein zu dürfen und anngenommen werden, wie man ist (fernab von 'Piep piep piep, ich hab dich lieb' - mit den ganz normalen, alltäglichen Konflikten etc. aber eben einer tiefen Akzeptanz dem Wesen des Anderen gegenüber). Ich bin fest davon überzeugt, dass aus solchen Erfahrungen der Integration und wenn es gelingt, diese auf die größere, abstrakte Gemeinschaft der Menschen zu übertragen, das eigene Handeln immer auch im Licht seines Wertes für die Gemeinschaft reflektiert wird.
Und genau das ist in meinen Augen eine absolute Grundvoraussetzung, wenn die gesellschaftlich neu kreierte Effektivität nicht ganz fatale Auswirkungen für das Gesicht des Lebens auf unserem Planeten haben soll.
Da passt natürlich auch die Diskussion rein, die ich hier schon mehrfach angeschnitten hab (für wen würdet ihr arbeiten, für wen nicht). Aber ich will da nicht wieder einsteigen, sondern einfach nochmal betonen, dass dieser Aspekt, diese Ebene für mich in eine Diskussion um die Effektivierung von Arbeitskraft unbedingt reingehört. Es passt ja auch ganz gut, dass eine Kultur, wie die, die in den Staaten so vorherrscht (ich war erst wenige Wochen dort), dann natürlich auch zu sowas führt, wie derartige Alleingänge zum eigenen Profit und Nutzen. Und es passt auch ganz gut, dass dort intern einfach abartig viele Menschen einfach durchfallen und dann eben drei Jobs machen müssen, um durchzukommen, wobei keiner von denen irgendetwas mit der eigenen Kreativität zu tun hat.
Und, um es halbwegs rund zu machen, diese Sichtweise, sich in eine Gesellschaft, Gemeinschaft, hier: Firma derart einzubringen, dass man sich als integrierter Teil dieses Systems versteht ist, so denke ich, sicherlich eine Schlüsselqualität, um darin erfolgreich zu sein. Das System allerdings künstlich zu begrenzen zeugt von Dummheit! (Nach dem Motto: 'Durch mein Verhandlungsgeschick konnten wir im letzten Quartal mehr Regierungen kaufen, denn je' ... oder so)
Basti