Lieber st2.
Du kennst vielleicht dieses Spiel, bei der zwei Partner zusammenspielen und einer davon sitzt mit einem Stift bewaffnet hinter einer Zeichenwand. Der Andere, der das Zeichenblatt nicht sieht hat nun die Aufgabe, einen bestimmten Gegenstand zu beschreiben, indem er seinem Partner Zeichenanweisungen gibt. Der Partner malt also nach diesen Anweisungen und muss jetzt den Gegenstand erraten, der da auf seinem Blatt Papier entsteht. Dabei darf er keine Fragen stellen.
Zum Beispiel:
"Male einen waagrechten Strich. Darauf malst du einen senkrechten und daneben noch einen. Obendrauf malst du dann einen Kreis."
Was ist das?
Das könnte jetzt ein Baum sein, oder aber ein Bushaltestellen-Schild (ein 'H' im Kreis). Wahrscheinlich aber ergibt das nur irgendwelche Striche auf einem Blatt Papier.
Wenn du das Spiel schonmal gespielt hast, dann ist dir sicher aufgefallen, dass der Erklärende fast immer irgendwann an einen Punkt kommt, wo er das Gefühl hat, ich hab doch alles richtig beschrieben, mehr kann man dazu nicht sagen. Und der Zeichnende, Ratende sieht eben nur sinnlose Striche und bettelt den Erklärenden an, er soll doch bitte was genauer beschreiben, wie er zeichnen soll. Der Erklärende ist ratlos und erst, wenn das Blatt umgedreht wird und er selbst sieht, was sein Partner da gezeichnet hat und dass er in der Regel auch ziemlich genau die Anweisungen befolgt hat, fällt ihm auf, wie "beschissen" und mehrdeutig er doch seine Anweiungen gegeben hat.
Und genau darum geht es hier. Nur, wenn der Erklärende sich in den Zeichnenden hineinversetzen kann, kann dieser den Gegenstand erraten.
"Male einen waagrechten Strich."
Wohin, wielang?
"Darauf malst du einen senkrechten"
Was heißt "darauf"? Drübermalen oder bildlich oberhalb? Die Waagrechte berühren oder mit Abstand? Wie lang, weiter rechts oder links?
"und daneben noch einen."
Neben die waagrechte, neben die Senkrechte? Wohin, wielang?
"Obendrauf malst du dann einen Kreis."
Wie groß? Was heißt hier nun wieder "obendrauf"?
All diese offenen Fragen sind Parameter, deren Wert dem Erklärenden bekannt sind, die der Zeichnende jedoch selbst irgendwie setzen muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Werte übereinstimmen ist also umso kleiner, je mehr offene Fragen es gibt.
Natürlich, man kann als Erklärender nur die Parameter benennen, die man kennt. Wüsste jemand z.B. nicht, dass es kleine und große Kreise gibt, so ist es ja völlig selbstverständlich, dass dieser den Radius nicht von sich aus angibt, sondern erst danach gefragt werden müsste. Dieses Phänomen haben wir hier ja oft, aber darum geht es hier nicht.
Wie müsste man die Anweisungen geben, damit der Zeichner den Gegenstand korrekt zeichnen und somit erraten kann?
Diese Fähigkeit wünsche ich dir und ich hab auch wenig Probleme damit, wenn du sie nicht hast oder nicht anwenden willst.
Ein Problem hab ich damit, wenn der Erklärende, nachdem er die sinnlosen Striche gesehen hat hingeht und den Zeichner ankackt, was für ein bescheuerter Zeichner er doch sei, anstatt sich zumindest ein paar Minuten Zeit zu nehmen und zu prüfen, ob seine Aussagen nicht vielleicht doch so lückenhaft und mehrdeutig waren, dass daraus durchaus sinnlose Striche resultieren können. Und genau das erwarte ich von dir.
Mein "Fuck off" ziehe ich zurück und damit möchte ich auch euch, Hannes und Matho signalisieren, dass auch ich lernfähig bin und dir, Hannes, das ich es in Zukunft wieder dir überlassen werde, auszusprechen, wer sich verpissen soll und wer nicht.
In sofern von mir ein Willkommen, st2. Tatsächlich ist Konversation mit dir immer wieder ganz interessant, aber sie bringt mich eben auch mal auf die Palme.
Mach aus meinen Worten was du willst.
Basti